in//out

Magazin des Instituts für Interne Kommunikation e.V.

Diese Freiheit nutzen wir

January 26, 2018

 

Stellenabbau bei der NordLB (Friedrichswall). 1.250 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Schicksal für jeden fünften Beschäftigten. Keine einfache Leserkost für ein Mitarbeitermedium. Wer darüber authentisch berichten will, braucht Mut. Und die Freiheit zur Wahrheit. Selbst Zeitungsverlage können von diesem Beispiel lernen. Beim EWA-Award 2017 gab’s für diesen Champion der Internen Kommunikation Gold. Es ist ein Lehrstück für sehr guten Unternehmensjournalismus und den offensiven Umgang von Firmen in Krisen.

 

Für in//out gaben Daniela Grams (Medien und Kommunikationbei der NordLB) und Thomas van Laak (Inhaber der Corporate Publishing-Agentur van laak Medien in Hannover) Einblicke in ihr preisgekröntes Wirken.

 


„Ohne die Offenheit und das Vertrauen der Kollegen wäre so ein Magazin natürlich nicht möglich.“ Daniela Grams


 

Frau Grams, wie waren die Reaktionen, als sich die Kunde vom Gold-Preis innerhalb der NordLB verbreitet hatte?

 

Wir haben unsere Freude darüber mit unseren Kolleginnen und Kollegen im Intranet geteilt. Die Kommentare und Feedbacks auf den Fluren waren durchweg positiv. Über „Saustark“ und „Absolut lesenswert!“ bis hin zu „Ein Vorreiter für interne Kommunikation, die mit Bravour in Inhalt und Transparenz funktioniert. Und dies nicht nur bei leichten Themen!“ Ohne die Offenheit und das Vertrauen der Kollegen wäre so ein Magazin natürlich nicht möglich. 

 

Haben Sie für sich selbst Schlussfolgerungen für Ihre redaktionelle Arbeit gezogen?

 

Unser Mut, eine Schwerpunkt-Ausgabe zum Stellenabbau herauszubringen, wurde am Ende mit EWA-Gold belohnt. Letztendlich fühlen wir uns in unserer Arbeit bestätigt. So eine Auszeichnung motiviert uns, genauso kritisch und ehrlich weiterzumachen.

 

Und Sie, Herr van Laak?

 

Mir gefällt der kritisch-rebellische Geist der 361°-Redaktion – so eine Haltung findet man selten in der internen Kommunikation. Die Auszeichnung ist definitiv gut für das Selbstvertrauen und auch für das Standing im Unternehmen.


Was müsste getan werden, um redaktionell noch eine Schippe drauf zu legen und vielleicht Platin-Preisträger zu sein?

 

Es gibt immer Luft nach oben. Vielleicht müssen wir das Magazin gestalterisch überdenken. Aber man muss solche Themen-Ausgaben auch immer mit einer gewissen Lockerheit angehen. Man kann hier nichts erzwingen, schon gar keine Platin-Auszeichnung.

 


„Themen werden uns von oben weder vorgegeben noch müssen wir uns Themen und Inhalte „abnicken“ lassen.“ Daniela Grams

 

 

Gehen wir in medias res. Ihr preisgekröntes Heft, Frau Grams, zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Offenheit aus. Haben Sie generell einen großen Spielraum, um Themen so transparent zu machen – oder gab es in diesem Fall gar keine andere Wahl?

 

Von anderen Kommunikationsabteilungen werden wir oft gefragt, wie wir es schaffen, so offen zu kommunizieren? Ganz einfach: Wir haben das Glück, redaktionell frei und von der Unternehmensleitung unabhängig zu sein. Auf diese Weise wird unsere interne Redaktionsarbeit glaubhaft und wir gewinnen das Vertrauen unserer Leser. Themen werden uns von oben weder vorgegeben noch müssen wir uns Themen und Inhalte „abnicken“ lassen. Das funktioniert natürlich nur mit einer offenen Unternehmens- und Führungskultur. Dafür sind wir dankbar! Gerade beim Thema Stellenabbau ist eine transparente und ehrliche Kommunikation unerlässlich. 

 

Was die Jury begeistert hat, wie sensibel Sie mit dem Fakt des Job-Abbaus von 1.250 Stellen umgegangen sind. Für Sie eine Selbstverständlichkeit oder schlichtweg Gebot der Stunde?

 

Sie sagen es! Bis zu 1.250 Stellen sind betroffen. Und dahinter stehen Menschen, Existenzen und viele Emotionen. Natürlich mussten wir mit diesem Thema besonders behutsam und sensibel umgehen. Alle Gespräche betroffener Mitarbeiter wurden persönlich und sehr wertschätzend geführt. Das gehört für uns dazu – nicht nur beim Thema Stellenabbau.

 

Sie haben das Horror-Szenario in vier Teile gesplittet: das Unternehmen im Branchenvergleich, die Nachfragen beim Vorstandschef, Reaktionen betroffener Mitarbeiter und ein Interview mit einem Psychologen über die Auswirkungen von Veränderungen auf Menschen generell. Was bewegte Sie zu dieser Gliederung? Würden Sie diese Heftstruktur heute nochmals so wählen oder etwas verändern?

 

Wir wollten das Thema von vielen Seiten beleuchten. Wir sind sehr froh, dass wir dabei auch die Stimmen betroffener Mitarbeitern abbilden konnten. Und es war uns wichtig, beim Vorstandsvorsitzenden kritisch nachzufragen und ihm im Interview nicht nur die leichten Bälle zuzuspielen. Das würden wir wieder so machen.

 

Die grafisch überzeugendste Seite ist sicherlich der Titel. Herr van Laak, wie kommt man auf so eine puristische Lösung?

 

Der Titel ist in einer gemeinsamen Redaktionssitzung entstanden, übrigens gleich zu Beginn der Heft-Entwicklung. Der Titel war so ziemlich das erste, was vom Schwerpunktthema stand. Danach kam alles weitere.

 

 
„Wir sind der Überzeugung, dass den Lesern gerade bei solch sensiblen Themen Text immer noch zumutbar ist.“ Thomas van Laak

 

 

Ansonsten kommt das Medium gestalterisch eher langweilig daher – man könnte sogar von Bleiwüsten sprechen. War dieser reduzierte Grafik-Aufwand der Tatsache geschuldet, dass angesichts des schwierigen Themas für die Mitarbeiter Zurückhaltung angebracht war?


Auf jeden Fall. Der Stellenabbau ist ein ernstes Thema, völlig ungeeignet für grafische Kinkerlitzchen. Im Übrigen sind wir der Überzeugung, dass den Lesern gerade bei solch sensiblen Themen Text immer noch zumutbar ist. Und wenn Sie in einem Interview nicht nur schnelle Antworten akzeptieren, sondern auch kritisch nachfassen wollen, brauchen Sie dafür Raum. Ein anderes Schwerpunktthema kann man dann auch wieder luftiger und bunter angehen.


Welche Rolle hat die Gestaltung heute generell bei Mitarbeitermedien übernommen?

 

Ein Magazin lebt immer vom Layout! Gegenüber digitalen Formaten haben Printmagazine heute den großen Vorteil, dass sie sich mit jeder Ausgabe, auf jeder einzelnen Seite, grafisch neu erfinden können. Diese Freiheit nutzen wir!


Stimmen Sie zu, wenn ich Ihnen ein Faible für monothematische Mitarbeitermedien unterstelle? Wenn ja, warum?

 

Weil man Themen vielseitig drehen und wenden sowie sich auch gestalterisch austoben kann. Man muss sich nicht an feste Strukturen oder Rubriken halten. Monothematische Hefte sind aber auch immer ein kleines Wagnis: mal gelingt eine richtig tolle Ausgabe, mal ist das Ergebnis eher mau. 


Was hat Sie an dieser Ausgabe von "361°" besonders begeistert?

 

Die Konsequenz, mit der die Redaktion das Thema Stellenabbau behandelt hat: Zahlen und Fakten, kritische Fragen an den Vorstandsvorsitzenden, ehrliche Stimmen von Betroffenen. Jede unabhängige Zeitung würde das so machen. Die 361°-Redaktion hat es genauso getan. Respekt! 


Frau Grams, warum war Ihnen die Teilnahme an der EWA 2017-Preisausschreibung wichtig? 

 

Wir nutzen die Einreichung als Evaluations-Instrument. Unser Magazin wird bei dem EWA-Medienpreis für Interne Kommunikation von einer Experten-Jury unter die Lupe genommen und differenziert bewertet. Das ist wertvolles Feedback. Zudem können wir einen Blick auf gute Mitarbeitermagazine von anderen Unternehmen werfen und unser Netzwerk erweitern. Am Ende mit dem Gold-Preis nach Hause zu fahren, ist schon ein irres Gefühl.

 

Was zeichnet diesen Wettbewerb aus, Herr van Laak?

 

Seine inhaltliche Tiefe. Die Jury nimmt sich viel Zeit, die Bewertungen sind sehr differenziert. Die Anzahl der Auszeichnungen ist überschaubar. Es gab 2017 nur 3 Goldene. Das macht die Auszeichnung für uns kostbar.


Interviewpartner: Hermann-Josef Berg.

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