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Magazin des Instituts für Interne Kommunikation e.V.

„Eine gediegene Wirtschaftsethik tut Not“

March 11, 2018

Zum Gedenken an Karl Kardinal Lehmann.

 

 

Am 11. März 2018 verstarb der emeritierte Mainzer Bischof und Kardinal Karl Lehmann im Alter von 81 Jahren. Er war über Jahrzehnte hinweg das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Lehmann war stets ein kommunikativer Brückenbauer. Deshalb ernannte ihn die Deutsche Public Relations Gesellschaft 2008 zum „Kommunikator des Jahres“. Hermann-Josef Berg, der stellvertretende Vorsitzende unseres Institutes, führte Ende 2008 für das „Jahrbuch Interne Kommunikation 2009“ mit Lehmann ein Gespräch über Aspekte der Internen Kommunikation. Weil seine damaligen Ansichten noch heute aktuell sind, veröffentlichen wir dieses Interview noch einmal. Wir gedenken damit einem herausragenden Kirchenmann, für den Zuhören, Verstehen und Zusammenarbeit sein Lebens-Credo waren.

 

Herr Kardinal, im Matthäus-Evangelium steht geschrieben: “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Übertragen auf das Arbeitsleben könnte man vielleicht sagen: “Der Mitarbeiter lebt nicht vom Lohn/Gehalt allein“. Was gehört aus Ihrer Sicht noch dazu, vor allem ethisch?

 

Lehmann: Dann zitieren wir doch die Bibel weiter, denn es heißt ja: Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Damit ist ganz gewiss eine Kultur des menschlichen Wortes und eine menschenfreundliche Kommunikation mitgemeint. Dies schließt ethische Maßstäbe im Umgang miteinander ein.

 

Welche Rolle ordnen Sie in diesem Zusammenhang der Mitarbeiterkommunikation zu?

 

Heute erkennen wir deutlich, dass die Mitarbeiterkommunikation eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Atmosphäre in einem Unternehmen ist – und Auswirkungen bis in die betriebswirtschaftliche Seite hat. Hier sind große Erkenntnisse gewonnen worden, die freilich noch sehr der Verbreitung bedürfen. Ich habe viel gelernt bei einigen Unternehmen und in dem bahnbrechenden Werk „Erfolgreich durch interne Kommunikation“ von Franz Klöfer und Ulrich Nies.

 

Welchen Platz sollten christliche Werte wie Nächstenliebe, Vergebung, Verständnis, Mitgefühl oder Moral in einer modernen Unternehmenskultur haben?

 

Diese christlichen Werte tauchen in der heutigen säkularen Gesellschaft oft unter anderen Titeln auf, wie zum Beispiel Solidarität, Toleranz, Empathie, Compassion. Man kann sie natürlich auch ausdrücklich von ihrer Wurzel und ihren Motiven her christlich begründen und auslegen. In welcher Form ihre Vermittlung erfolgt, hängt natürlich sehr von der Philosophie eines Unternehmens, von der Einstellung der Führung und von der Zusammensetzung der Mitarbeiter ab.

 

Sind christliche Ethik und knallharte Wirtschaftslogik gerade heute – in der weitreichenden Krise von Wirtschaft und Gesellschaft – unüberwindliche Gegensätze?

 

Wenn mit „knallharter Wirtschaftslogik“ auch Rücksichtslosigkeit, Gewinn um jeden Preis, mörderische Konkurrenz und so weiter gemeint sind oder geduldet werden, dann gibt es zur christlichen Ethik einen kaum überbrückbaren Gegensatz, auch wenn man diese Ethik nicht weltfremd konzipiert. Dieser Gegensatz ist in der Finanz- und Wirtschaftskrise unserer Tage noch deutlicher geworden. Der Neoliberalismus hat zwar keine Unmoral vertreten, aber bei manchem doch die Augen zugemacht. Eine gediegene Wirtschaftsethik tut Not.

 

 

„Heute erkennen wir deutlich, dass die Mitarbeiterkommunikation eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Atmosphäre in einem Unternehmen ist – und Auswirkungen bis in die betriebswirtschaftliche Seite hat.“  

 

 

Droht nicht eher bei den von der Krise Betroffenen das "Ich zuerst"-Gefühl und kommen dabei christliche Werte nicht unter die Räder?

 

Betroffen von dieser Krise sind grundsätzlich alle, freilich mit riesengroßen Unterschieden. Die Bibel untersagt ja im Übrigen nicht ein gewisses Maß an Rücksicht auf sich selbst und die Wahrnehmung der eigenen Interessen. Das Wort „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ zeigt dies deutlich. Sich selbst zu lieben, ist also nicht verwehrt. Darauf verstehen wir uns ohnehin. Aber bitte dann denselben Blick auf den Nächsten richten. Dies ist die Grenze und das Überschreiten jeder Selbstliebe.

 

Was kann offene, dialogorientierte Mitarbeiterkommunikation nicht nur in unsicheren Zeiten bewirken?

 

Sie ermöglicht eine stärkere Information, Motivation, Aktivierung, Identifikation mit Unternehmenszielen, Loyalität, Solidarität untereinander und regt gewiss auch Fantasie und Kreativität an, um neue Wege zu finden. Offenheit und Ehrlichkeit sind wertvolle Früchte.

 

Wie steht es mit der Mitarbeiterkommunikation in Ihrem Bistum? Gibt es Mitarbeiterzeitschrift, Intranet oder andere Medien der so genannten Internen Kommunikation?

 

Wir haben seit langem Printmedien, wie eine Mitarbeiterzeitschrift, aber vieles verlagert sich heute auf Intranet und die Binnenkommunikation der einzelnen Abteilungen. Dabei spielen im weiteren Umkreis natürlich auch die kircheneigenen Medien, wie zum Beispiel die Kirchenzeitung, eine Rolle. Man muss freilich darüber wachen, dass diese Mitarbeiterkommunikation nicht zu technisch, anonym und routinemäßig-formelhaft wirkt und wird.

 

Welchen Stellenwert räumen Sie persönlich der Direktkommunikation ein, dem persönlichen Gespräch mit den Mitarbeitern?

 

Lehmann: Die Direktkommunikation halte ich gerade bei einem steigenden Einsatz von elektronischen Medien für unerlässlich. Vieles kann man nur von Mensch zu Mensch oder in kleineren Gruppen situationsentsprechend mitteilen. Die dafür nötige Zeit ist gut angelegt. Ohne eine direkte, personale Note kann es auf die Dauer keine menschenwürdige Kommunikation geben.

 

Interview: Hermann-Josef Berg

Foto: Werner Feldmann

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