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Magazin des Instituts für Interne Kommunikation e.V.

Die KMU-Gretchenfrage: digital oder/und Print

Der Mittelstand in Deutschland hat sich mit der Unternehmenskommunikation schon immer schwer getan! Stimmt das wirklich? Oder führen hier nur Definitionsfehler zu einem falschen Eindruck? Ein Standpunkt von Hermann-Josef Berg.

Richtig scheint: Oftmals steht in mittleren und kleineren Unternehmen die Vertriebskommunikation im Vordergrund. Und die Mitarbeiterkommunikation ist aufgrund der Betriebsgröße keineswegs besser, eher vernachlässigt. Print-Mitarbeitermedien sind eher out, digitale Lösungen immer mehr im Kommen – nur: in welcher Form.

„Print spielt bei uns in der Mitarbeiterkommunikation eigentlich keine Rolle mehr“, sagt Stefan Thurn, „weil es schneller ist, kommunizieren wir digital.“ Diese Aussage des geschäftsführenden Gesellschafters der J. N. Köbig GmbH (Mainz), einem Großhändler für Baustoffe, Produkte des Garten- und Landschaftsbaus, Fliesen und Haustechnik (Sanitär/Heizung), dürfte repräsentativ für weite Teile des Mittelstandes hierzulande sein.

Durchaus ein akzeptabler Zustand, aber einer mit Folgen. Denn dort, wo die News in Bytes zum Mitarbeiter und Kunden rauschen, fehlt das Haptische. Der Mensch ist ein haptisches Wesen, möchte gerne etwas in der Hand haben, sprich: anfassen können. Genau dieses Bedürfnis erfüllt die gedruckte Information. Sie wirkt in der Informationsübermittlung zudem nachhaltiger, wenn sie den nötigen Informationstiefgang hat. Sprich: sich etwa mit den strategischen Unternehmensthemen auseinandersetzt und den Mitarbeitern in unterschiedlicher Art und Weise erklärt, was wie im Unternehmen läuft und warum künftig was wie laufen soll.

Foto: screenshot startseite "Allianz blau"

Neuer Ansatz: public domain

Doch hilft die klassische Mitarbeiterzeitung wirklich weiter? Inzwischen finden sich im Internet auch Mitarbeitermedien, die öffentlich zugänglich sind (public domains). Ein wohl gelungenes Beispiel: das Online-Magazin „Allianz blau“ für Innen- und Außendienstler der Allianz Deutschland – vom Institut für Interne Kommunikation beim „EWA Award 2017“ mit Gold ausgezeichnet.

Mitarbeiter können so über ihren heimischen PC/Laptop oder mobile Endgeräte auf dieses digitale Unternehmensangebot zugreifen. Vorteile unter anderem: höhere Aktualität, Like-Möglichkeit („Gefällt mir“), Tweets oder Cross-Medialität (Einbau von Videos/Filmen, Audio-Files und Bildergalerien).

Wie bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, (KMU) hapert es – abgesehen von der Zeit – am Know-how der Umsetzung. Regelmäßigere und erläuternde Print-/ Online-Informationen gut und schön, aber wer soll’s machen? Externe Lösungen erfordern dennoch einen ständigen internen Ansprechpartner. Hinzu kommt die eingangs beschriebene Gretchenfrage: mehr Fokus auf die Mitarbeiter- oder die Vertriebs-/Kundeninformation. Ein Spagat, der schwierig und in der Regel nur mit professioneller Unterstützung zu bewältigen ist.

Apropos Gretchenfrage: In Goethes Literaturstück „Faust“ steht sie für den Versuch, von dem Befragten einen Inhalt preisgeben zu lassen, der ihm unangenehm ist. Ein Kardinalsproblem im KMU-Bereich, denn über Unangenehmes spricht man nicht gerne – weder extern, noch intern. Dabei ist Offenheit ein zentrales Kriterium für eine wertschätzende Mitarbeiterkommunikation. Im Sinne eines offeneren Kommunikationsansatzes haben viele Unternehmen, nicht nur im Mittelstand, eindeutig Nachholbedarf. Dazu bietet sich in besonderem Maße auch die Direktkommunikation (Face-to-face) an.

Hermann-Josef Berg ist Vorstandsmitglied im Institut für Interne Kommunikation e. V.

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