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Magazin des Instituts für Interne Kommunikation e.V.

Die Zukunft als Chance begreifen

14/06/2019

Die Digitalisierung stellt auch die Heiztechnikbranche vor tiefgreifenden Veränderungen. Wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht keine Bedenkenträger, sondern motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Entwicklung aktiv vorantreiben. Dr. Jens Wichtermann, Kommunikationschef des Heiz-, Lüftungs- und Klimaspezialisten Vaillant, erklärt, warum sein Unternehmen die Belegschaft gerade durch Interne Kommunikation fit für die Zukunft machen will.

 

 

 Foto: Gerd Altmann auf Pixabay

 

 

 

Redaktion: Herr Dr. Wichtermann, warum diese starke Gewichtung der Internen Kommunikation?

 

Die Nachfrage nach Technologien auf Basis regenerativer Energien steigt enorm. Die Digitalisierung aller Lebensbereiche erfordert von den Unternehmen verstärktes Know-how in Softwareentwicklung und Big-Data-Analyse. Das vernetzte Smart-Home ist längst keine Utopie mehr. Als einer der Markt- und Technologieführer wollen wir diese massiven Veränderungen aktiv vorantreiben. Dafür benötigen wir ein motiviertes Team. Mitarbeiter, die Herausforderungen als Chance begreifen und keine Angst vor Veränderungen haben. Mit exzellenter interner Kommunikation wollen wir unsere Kolleginnen und Kollegen nicht nur informieren, sondern motivieren und bestenfalls zu eigenverantwortlichem Handeln aktivieren.

 

 

Dr. Wichtermann: Welchen strategischen Stellenwert hat die Mitarbeiterkommunikation bei der Vaillant Group?

 

Einen sehr hohen Stellenwert. Wir haben auf der Basis von tiefgreifenden Veränderungen der Branche und der wachsenden Kundenanforderungen eine neue Unternehmensvision entwickelt und unsere strategischen Unternehmensziele geschärft. Das drückt sich auch in unserem Kommunikationsbudget aus, an dem die Interne Kommunikation einen Anteil von knapp 40 Prozent hat.

 

 

Das ist enorm. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Mussten Sie dicke Bretter bohren?

 

Klar mussten wir an der ein- oder anderen Stelle Überzeugungsarbeit leisten. Auf der anderen Seite ist dem Top-Management absolut bewusst, dass Veränderungen nur dann erfolgreich sein können, wenn die Mitarbeiter von deren Sinnhaftigkeit überzeugt sind. Deshalb reicht es uns als Kommunikatoren nicht mehr, nur über Veränderungen zu informieren. Wir messen uns daran, ob die Mitarbeiter davon überzeugt sind, einen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten, mit Leidenschaft und Überzeugung an gemeinsamen Zielen arbeiten und die Werte des Unternehmens teilen. Dafür müssen wir die Mitarbeiter mit Kommunikation für das Unternehmen und seine Themen begeistern. Nicht mit nur Zahlen, Daten, Fakten, sondern vor allem mit emotionalisierenden Geschichten, spannenden Inhalten und überraschenden Formaten.     

 

 

„Wir brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die keine Angst vor Veränderungen haben.“

Dr. Jens Wichtermann

 

 

Wo setzen Sie konkret Ihre Schwerpunkte?

 

Inhaltlich stehen strategische Themen klar im Fokus. „Change-Kommunikation“ klingt abgedroschen, ist aber angesichts der enormen Geschwindigkeit, mit der sich Technologien und Märkte verändern, unerlässlich. Kommunikation ist hier gewissermaßen ein Enabler. Wir sind ein Schrittmacher für den Wandel in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter. Ein zweites wichtiges Thema ist für uns die Art der Kommunikation: Top-Down-Kommunikation hat ausgedient. Wir setzen auf vernetzte, dialogorientierte Kommunikation – ohne Hierarchiegrenzen oder Silodenken.   

 

 

Gibt es hier eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit? Und wie laufen die Prozesse?

 

Ohne die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen aus den internationalen Tochtergesellschaften und den Fachabteilungen in der Zentrale geht es nicht. Bei gemeinsamen Projekten sind wir gewissermaßen die interne Kommunikationsagentur. Umgesetzt werden die Projekte in enger Kooperation mit der Fachabteilung, die ihr Expertenwissen beisteuert. Die Basis der Zusammenarbeit ist eine Art Agency Agreement zwischen Corporate Communications und der Fachabteilung, das alle Rahmenbedingungen wie Timings, gegenseitige Rechte und Pflichten, Scope-Definition, Deliverables und KPIs enthält.

 

 

„Die Interne Kommunikation ist

der Schrittmacher für den Wandel

in den Köpfen und Herzen.“

Dr. Jens Wichtermann

 

 

Welche Kanäle bespielen Sie? Welche Rolle spielen dabei mobile Kommunikationsansätze?

 

Wir nutzen eine Vielzahl von Kanälen – vom klassischen Mitarbeitermagazin, Newslettern, Postern bis hin zu digitalen Formaten wie Videocasts, Chats oder Social Colaboration Tools. Plattform für all unsere Digitalformate ist unser internes Vaillant Group Net, das wir zu einer sozialen Kollaborationsplattform ausgebaut haben. Hier integrieren wir Chat-Funktionen, Blogs und weitere interne soziale Kommunikationsformate. Die mobile Nutzung des Group Net denken wir selbstverständlich mit. Uns war es wichtig, eine zentrale Plattform zu schaffen, die sämtliche Kommunikations- und Kollaborationsformate integriert und auf der relevante Informationen für alle Mitarbeiter zugänglich sind.

 

 

Welche Software setzen Sie ein?

 

Unterschiedliche. An integrierten Tools nutzen wir unter anderem Chatter, Skype und Confluence als digitalen Workspace.

 

 

Gibt es bereits erste Erkenntnisse, was das bringt? Was steht in den kommenden Monaten auf Ihrer To-Do-Liste?

 

Der Mix aus verschiedenen Formaten kommt sehr gut an, wie wir durch regelmäßige Mitarbeiterbefragungen wissen. Das klassische Mitarbeitermagazin, das sich übrigens mehr als 75 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach wie vor als gedruckte Publikation wünschen, und verschiedene Videoformate sind die beliebtesten internen Medien. An den Nutzerzahlen sehen wir, dass die sozialen Tools stetig an Relevanz gewinnen.

 

Das Gespräch führte Michael Kalthoff-Mahnke.

 

 

 

Dr. Jens Wichtermann (50) ist Direktor Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsmanagement & Politik des Heiz- und Klimatechnikspezialisten Vaillant Group. Von 2001 bis 2006 arbeitete Wichtermann in der Konzernkommunikation des MDAX-notierten Technologiekonzerns GEA AG. Dort verantwortete er die weltweite Medienkommunikation, die Online-Kommunikation sowie die Mitarbeiterinformation. Zuvor war er Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Würzburg. Er arbeitete zudem freiberuflich als Pressesprecher und Kommunikationsberater für Unternehmen verschiedener Branchen, im Profisport und im Kulturbereich.

 

Foto: Vaillant

 

 

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Bisher erschienen

January 8, 2020

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